Montag, 6. September 2021

Abschiedsbesuch


 
Am Freitag bin ich zum letzten Mal in das Seniorenzentrum gegangen, das ich zusammen mit meiner Partnerin im Rahmen einer Weiterbildung zwei Jahre lang besucht habe.
Leider war meine Kollegin krank und ich musste/durfte den Besuch alleine machen.
Zu zweit ist es natürlich schon schöner und auch einfach.
Ich bin ein Clownin, die Leben und auch etwas Wildheit ins Altersheim bringen möchte und da muss man selber schon sehr viel Energie aufwenden, besonders, wenn man alleine unterwegs ist.
Weil das Wetter so traumhaft schön war, fand der Besuch draussen statt.
Ich habe das Thema "Abschied" aufgenommen und in meinen Koffer vom Nastuch bis zum Bettlacken verschiedenste Tücher mit unterschiedlichen Motiven gepackt.
Diese Tücher habe ich dann clownmässig nassgeweint, was die unterschiedliche Reaktionen von Lachen und Trösten hervor gerufen hat.
Ich habe draussen ein Wäschleine aufgehängt und all die verweinten Tücher aufgehängt.
Das gab mir zusätzlich eine Spielmöglichkeit. 
Mit einem Tuch bin ich bei jeder Bewohnerin bei jedem Bewohner vorbei und habe mich persönlich verabschiedet und einen Knoten in das Tuch gemacht, damit ich sie nicht vergesse.
So viele schöne, berührende Begegnungen durfte ich erleben, die ich alle in meinem Herzen mitnehmen werde.

 

 
Ein wunderbares Feetback habe ich von einer jungen Mitarbeiterin bekommen.
Sie sagte, wir hätten nicht nur die BewohnerInnen, sondern auch dass Personal glücklich machen.
Sie würden eine Antrag beim Chef stellen, damit wir bleiben können.
Das geht leider nicht, weil schon bald das nächste Ausbildungspärchen dort anfängt.
 

 
Darum bin ich jetzt auf der Suche nach einem neuen Heim.
Wenn jemand eines weiss oder Beziehungen hat, darf sich gerne bei mir melden.
Ich würde mich sehr freuen.
 

Donnerstag, 19. August 2021

Montagsmaler


 
Bei unserem letzen Clownbesuch waren wir mit dem Thema Malen und Zeichnen unterwegs.
Wir hatten Farben, Papier, den bunten Hahn und die Idee Montagsmaler zu spielen dabei.
Schon beim Anbringen des Papiers mit Klebeband an der Schranktür hatten wir die ersten Probleme.
Zum Glück bekamen wir Hilfe von Bewohnern und auch der junge Auszubildende hat gerne mitgespielt.
Beim Zeichnen und Erraten wurde viel gelacht.
Eine Frau, die eigentlich gar nichts mehr sieht, hat Finnland gemalt.
Das könne sie gut, den Finnland wäre eine Frau, hat sie gesagt.
Eine Frau, meinte das Haus, dass ich gemalt habe, wäre ein WC-Häuschen, da habe ich schnell noch ein Herz in die Türe malt und sie war zufrieden.
 
 

Was mich schon immer wieder sehr fasziniert ist, dass Menschen, die auf mich nicht mehr reagieren, plötzlich regelrecht erwachen, wenn ich eine Figur in die Hand nehme.
Manche streicheln sie nur, aber mache fangen auch an zu reden.
Eine Frau, wollte mit dem Hahn Eier stehlen gehen, aber man darf dass nicht erzählen, denn es wäre ja verboten.
Sie erzählt sehr lebhaft und verlässt man sie wieder, schaut sie wieder ins Leere.
Heute haben wir in so viele fröhliche Gesichter von BewohnerInnen und auch MitarbeiterInnen geschaut, das sind viele Farbtupfer die unsere Herzen bunter machen.

Montag, 16. August 2021

Lesezeichen

 

Ich habe mich sehr über den Auftrag von Frau WindWorte gefreut.

Die fünf Lesezeichentierkinder helfen vielleicht dabei, dass die kleinen Erstklässlerkinder zu grossen LeserInnen werden.


Montag, 2. August 2021

Regenzeit


"Singing in the rain" war letzte Woche unser Motto beim Clownbesuch im Altersheim.
Leider kommt die Musik immer noch nur aus der Konserve.
Das ist das, was ich am meisten vermisse, dass man immer noch nicht selber singen darf.
Die Maske vergisst man beim Spielen. Auch die alten Menschen, stören sich nicht an diesem Anblick. So hat mir eine Frau gesagt, sie schaue mich sehr gerne an.
Aber das gemeinsame Singen ist wertvoll und verbindend und das fehlt einfach.
 

Wir machen manchmal schon Dinge, wo man sich fragt, dürfen wir das?
Wir hatten Schirme dabei und als Clowns wollten wir sie natürlich auch benutzen.
Weil es in den Räumen aber nicht regnet, haben wir mit einer Sprühflasche selber für Regen gesorgt.

Meine Partnerin hat sich mit einem Schirm schützend vor die BewohnerInnen gestellt.
Es gab dann immer wieder grosses Gelächter, wenn die eine oder andere doch etwas Wasser abgekommen hat.
Alte Menschen sind nicht aus Zucker.
Das zeigt uns auch der Befehl einer Frau an ihre Mitbewohnerinnen: "Nun winkt doch mal, ihr faulen Hund.", weil sie fand, sie würden sich zu wenig enthusiastisch von uns verabschieden.
Respekt und einfühlsames Verhalten ist sehr wichtig, aber es darf auch immer mal wieder wild zu und her gehen. 

Für mich ist es auch eine Form, die alten Menschen ernst zu nehmen und sie nicht wie hilflose Kinder zu behandeln.

Wir sind ja nur in den Gemeinschaftsräumen unterwegs. Dort sitzen die Menschen, die schon sehr eingeschränkt sind. Menschen, die noch fit sind, gehen uns aus dem Weg. Das hängt sich auch damit zusammen, das der Ruf von Clowns nicht gerade der Beste ist. 

Ein alter Mann hat uns auch mal gesagt, er sei doch kein Kind. Gerade dieser Mann wurde diesmal in den Gemeinschaftraum gesetzt. Er hat mehrmals zu seiner Betreuerin gesagt, er wolle uns nicht sehen, wurde aber immer wieder beschwichtig. In solchen Situationen die Freude zu behalten finde ich schwierig.

Das ist irgendwie die grosse Kunst, die Freude und innere Sicherheit zu behalte, auch wenn man auf Ablehnung stösst.

Montag, 26. Juli 2021

Ferienglück in Adelboden


 
Alleine, so ganz für mich, war ich schon lange nicht mehr.
Meine Tante hat  Jahrzehnte ihres Lebens alleine gelebt. Dieses Kämmerchen, nicht breiter als ein Bett war ihr Schlafzimmer.
Ich liebe diese Einfachheit - ein Bett, ein Schrank und der Blick aus dem Fenster in die Alpenwelt.
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Die ersten zwei Tage habe ich viel gelesen. Im Haus gibt es kein WLAN, was ich sehr schätze. 
Darum nehme ich mir immer Zeitungensartikel mit, die ich dann lese. 
Das Geschehen in der Welt bildet einen rechter Kontrast zu der Idylle um mich herum.
Aber ich will die Augen nicht verschliessen, auch wenn es mich das Gelesen oft sehr deprimiert.
Aber mir wird auch immer wieder sehr bewusst, wie dankbar ich dafür bin, dass ich so leben darf, wie ich lebe.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Am dritten Tag traff ich mich mit einer liebe Kundin, welche zusammen mit ihren Kindern im gleichen Ort Ferien gemacht hatte.
Da konnte ich die bestellten Figuren gleich persönlich vorbei bringen und zu einer gemeinsamen Wanderung aufbrechen.
Der Vogellisi-Weg ist für Kinder, die nicht wandern wollen ideal, weil sie durch die verschiedenen Stationen, mit Spielgeräten und Rätseln, die es zu lösen gilt, vergessen, dass sie gerade am Wandern sind.
 
 
  
Die restlichen Tage habe ich viel gefilzt. 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Drinnen und draussen, das war einfach wunderbar. So konzentriet arbeite ich selten, weil mich hier wenig ablenkt.

 
 Es sind Fingerpuppen für einen Auftrag enstanden.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Am Sonntag habe ich am Koffermarkt in Adelboden teilgenommen. Trotz des schlechten Wetterbrichtes blieb der Tag ohne Regen und das war  dann das Tüpfelchen auf dem i einer schönen Woche in den Bergen mit traumhaftem Wetter.
 
 
Diese Tage in den Bergen war einfach perfekt.
 





 
 
 

Dienstag, 20. Juli 2021

Auszeit


 Ich bin ein paar Tage in den Bergen und am Sonntag bin ich von 13 bis 17 Uhr am Koffermarkt in Adelboden.

Sonntag, 18. Juli 2021


 

An Freitag gingen wir mit dem Thema "Fischen" ins Altersheim.
Meine Clownpartnerin hat allerlei Gegenstände mit Magneten versehen, die man mit Hilfe einer Angel aus dem Bollerwagen Fischen konnte.
Ich hatte einen Fisch in einer Handtasche dabei.
Viele von unseren BewohnerInnen sind in ihren Fähigkeiten schon sehr eingeschränkt. Gespräch sind oft nicht mehr möglich.
Diese Gegenstände ermöglichen Spiel-und Gesprächsstoff.
Mit einem Schraubenzieher konnten wir z.B. meine lockeren Schrauben wieder anziehen, bei einem Schlüssel, kam die Frage auf, wem der wohl gehört und welche Türe man damit aufschliessen kann.
Mein Fisch hätte kalt, meinte eine Bewohnerin und er bekam daraufhin eine Socke übergezogen.
Die Bewohnerin war sehr erleichtert, dass mein Fisch nun nicht mehr frieren muss.
Manchmal ist es aber auch erstaunlich, wie gut das Gedächtnis noch ist.
Einer Frau hatte ich, beim letzten Besuch, auf die Frage, warum ich so grosse Schuhe habe, erzählt, dass ich mit ihnen über das Wasser laufen könne.
Ich hatte das schon wieder vergessen, aber sie hat mich heute darauf angesprochen.
Ein Bewohner, der neu ins Heim kam, hat uns erzählt, dass drei seiner vier Kinder schon nicht mehr leben.
Als Clown kann man diese Tragik irgendwie viel einfacher als Teil des Lebens annehmen und sagen, dass das Leben oft auch einfach sehr traurige ist.
Worauf der Mann geantwortet hat, dass stimmt, aber man müsse das Leben nehmen so wie es ist und das Beste daraus machen.
Besonders schön war auch, einfach in die lächelnden Augen einer Frau zu schauen.
Wo keine Worte mehr sind, gibt es dennoch Möglichkeiten der Verbindung von Mensch zu Mensch.