Montag, 8. April 2019

Von Tränen und Instagram


Dass man an Märkten über Stunden nichts verkauft, das kenne ich eigentlich zur genüge.
Darum gelingt es mir ganz gut, meine Gemütslage in solchen Situationen zu überspielen und mir nicht anmerken zu lassen, wie es in mir aussieht.
Gestern war das anders, ich stand visavi von einen Stand, wo genadelte Filztierchen zu Dumpingpreisen verkauft wurden. Ich konnte dabei zuschauen, wie der Stand von Stunde zu Stunde leerer wurde.
Neben mir Stand eine Frau mit Swarovskischmuck und Heimvorteil, dort war es das gleiche.
Die Schmuckstücke gingen weg wie warme Semmel.
Und ich stand da mit meiner Handpuppe in der Hand und plötzlich kamen mir die Tränen.
Es ist mir mehrmals passiert, dass ich weinen musst, wenn ich von irgendjemand angesprochen wurde.
Es war mir unangenehm, weil ich nicht wollte, dass man bei mir aus Mitleid etwas kauft und auch weil ich fand, dass es sich nicht lohnt, wegen so etwas zu weinen.
Interessanterweise war es mir nicht peinlich zu Weinen und  das lag daran, dass die Menschen so zauberhaft und mitfühlen reagiert haben. Ich bekam soviele Worte der Wertschätzung zu hören, das hat mich dann so gerührt, dass ich deswegen schon wieder weinen musste.

In der Regel zeigt man ja seine Gefühle nicht, man wart den Schein, wenn es einem nicht gut geht.
Das ist in der realen Welt so und noch viel mehr in der virtuellen.
Gerade auf Instagram kann jeder der mag, einen Blick in die Privatsphäre von Menschen werfen, die eine Bilderbuchleben zu führen scheinen. Sie sind schön, haben den perfekten Partner an ihrer Seite, bezaubernde Kinder, leben im Dauerurlaub, sind erfolgreich, leben gesund, machen Yoga, meditieren, haben einen grossen Freundeskreis und ihr wunderschönes Zuhaus ist immer aufgeräumt.
Ihr Leben scheint ein einziger Glückstaumel zu sein und kommt doch mal eine Krise, geht man gestärkt und noch schöner als vorher daraus hervor. Mit dem richtigen Mindset kann man alles erreichen, so die Botschaft dahinter.
Da wird das Bild von perfekten Menschen gezeigt, von Menschen, die mit ihrem Leben ihr Geld verdienen.

Meine Leben sieht da anders aus, ausser dass ich halt zufällig die Gabe bekommen habe, geschickt mit meinen Händen zu sein, lebe ich ein ruhiges Leben.
Was hat das ganze nun mit meinen Tränen zu tun, mag sich die eine oder der andere fragen.

Ich finde, gerade im reallen Leben sollten wir uns öfters gestatten, unsere wirklichen Gefühle zu zeigen. Wir sind Menschen und keine perfekten Instagramprojektionflächen.
Ich bin immer wieder mal traurig, weiss nicht genau, was ich will, meine Wohnung ist nicht aufgeräumt, ich gehe schusselig durch das Leben.
Aber das bin halt ich und manchmal, werde ich getröstet, wenn ich hadere mit mir, so wie gestern. Wenn ich daran denke, dann kommen mir schon wieder fast die Tränen.
Nur sind es Tränen der Dankbarkeit für mein Leben, so wie es eben ist.


In den letzten zwei  Stunden des Markts  habe ich dann noch so gut Verkauft, dass ich sehr zufrieden  nach Hause gefahren bin.

Kommentare:

  1. Sehr wahre Worte.
    Ich wünsch´dir viele Freudentränen!
    Liebe Grüße (aus dem nicht aufgeräumten Wohnzimmer)
    Sabine

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    1. Ich danke dir für deinen lieben Kommentar.
      Liebe Grüsse, Katharina

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  2. Das ist wunderschön geschrieben! Ich bin dankbar Freunde und einen allerliebsten Mann zu haben, bei denen ich auch mal weinen kann! Wir können uns beide leiden, auch wenn wir uns selbst mal gerade nicht leiden können.
    Ich würde Dich jetzt auch gerne drücken, trösten.
    LG
    Martina

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    1. Ich habe zum Glück auch einen sehr mich unterstützenden Mann. Ich sage immer, ohne ihn könnte ich mir gar nicht leisten, Filzfiguren herzustellen, weil man davon nämlich nicht leben kann.
      Der grosse Tröster in Worten ist er nicht, aber ich kann mich auf ihn verlassen und das ist ja so unglaublich viel wert.
      Ich danke dir für deine lieben Worte und schicke liebe Grüsse, Katharina

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  3. So ist es - das wahre Leben! Da sind wir nicht aufgeräumt, nicht immer ausgeschlafen, nicht immer sorgen- und sowieso nicht mehr faltenfrei. Aber dieses Leben ist ehrlich - so sind wir eben.
    Schön, dass Du Anteilnahme erfahren hast und nicht immer überall Instagram ist.
    Liebe Grüße aus der Ferne!
    Valomea

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    1. Menschen sind ja oft sehr nett und mitfühlend, wenn sie man ihnen, wie auch immer, die Gelegenheit dazu gibt.
      Liebe Grüsse, Katharina

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  4. Ja das ist leider so. Die Menschen wollen einzigartige Dinge zu Discounterpreisen. Das funktioniert aber nicht. Handmade Produkte sind eben von Hand gemacht, mit Liebe und immer einzigartig. Ich habe die Erfahrung auch schon gemacht und vor Jahren dazu mal einen Artikel, auf meinem Blog, geschrieben. Du machst also nichts verkehrt.
    Was Instagram betrifft. Es ist sehr oft eine falsche Welt. Nicht immer. Es gibt auch tolle Leute dort. Aber im großen und ganzen dreht sich immer alles um Follower, Likes und Herzen. Und was die Superinstagramer betrifft. Das ist immer nur ein Ausschnitt aus ihrem Leben. Die extra aufgeräumte Ecke in der Wohnung, der Strandausschnitt an dem sie alleine sind und in Wirklichkeit keine zwei Meter weiter noch ein Blogger sitzt, das perfekt aufgesetzte und geschminkte Lächeln. Das alles ist nur Schein.
    Deshalb dreht sich bei mir dort alles nur um meine Hobbys. Mein Privatleben wird man dort nicht finden.
    Liebe Grüße von der Ostsee
    Sandra

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    1. Es hat mich total erstaunt, wieviele Influencern es gibt.
      Oft geht es ja auch darum irgendwelche Produkte zu verkaufen und damit Geld zu verdienen. Ich mir kommt es so vor, alsob man damit seine Seele verkauft. Es hat ja auch etwas sehr Narzisstisches, sonst könnte man das ja gar nicht machen. In gewisserweise, erstaunt und bewundere ich dieses Selbstverständis aber auch, das diese oft ja noch sehr jungen Menschen, haben.
      Liebe Grüsse, Katharina

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    2. Ich glaube das viele Menschen, gerade junge Menschen, denken das man so leicht Geld verdienen kann. Was für einen kleinen Teil ja auch klappen mag. Was aber auch gern vergessen wird das sie dieses Geld auch versteuern müssen. Schließlich sind das Einkünfte.
      Außerdem ist da immer noch die Geschichte vom schnellen Ruhm und Reichtum. Was wohl unter dem Strich nur bei einem Prozent wirklich klappt.
      Ich bin immer wieder überrascht wer mir kurzeitig folgt und mich auch ganz schnell entfolgt, wenn ich Ihnen nicht bin ein paar Tagen auch folge. Ganz ehrlich. Ich folge nur Seiten die die gleichen Interessen halben wie ich oder ein spannendes Thema.
      Meine Seele für Follower und Co würde ich nicht verkaufen. Mein Blog ist für mich immer noch ein Hobby bzw ein kreativer Ausgleich zu meinem anstrengenden Job. Es ist mir egal wie viele Leute mir folgen, einen Beitrag von mir liken oder Herzchen verteilen. In erster Linie schreibe ich ihn immer noch für meine Freunde, Bekannten, Familie und Kollegen.
      Und was Dich betrifft. Du verkaufst Dich nicht unter Wert. So wie andere die nur die schnelle Mark/ Euro oder bei Dir in der Schweiz Franken machen wollen. In Deinen Figuren steckt eine Seele und Herzblut und das ist ehrlich gesagt unbezahlbar.

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    3. Unter Wert sollte man sich eignlich nie verkaufen, egal was es ist. Das zahlt sich am Ende nicht aus.

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    4. Streich das Wort eigentlich. Man soll sich nie unter Wert verkaufen.

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  5. Schön, dass du getröstet wurdest. Mit den von uns handgemachten Dingen, vor allem textilen, ist es ein Elend. Und wenn du dir vorstellst, dass hinter dem "billigen Mist" auch Menschen stecken, die diese Dinge gemacht haben, ist es noch viel trauriger.

    Schön, dass dann doch noch Menschen an deinen Stand gekommen sind, die sich von deinen Kreationen angesprochen gefühlt und auch etwas gekauft haben.

    Mein Mann erzählt die Geschichte einer jungen Frau aus Sibirien, die total abgeschieden lebt und auf Instagramm auch im Winter immer in Sommerkleidern zu sehen ist/war. Sie hat eben gemeint, es sei ausser bei ihr auf der ganzen Welt immer Sommer.

    Liebe Grüsse von Regula

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    1. Ich habe die Frau mit den Filztieren auf ihre Preise angesprochen. Sie hat dann gemeint, ihre Mutter würde sie herstellen und sie mache die Tiere so gerne, darum würde sie sie so billig verkaufen, damit sie auch verkauft werden uns sie wieder neue machen kann.
      Ob das stimmt, weiss ich nicht, die junge Frau hat am Stand auch genadelt. Sie wollte sich vielleicht nicht auf ein Diskussion einlassen.
      Liebe Grüsse, Katharina

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  6. Ich nenne solche mit Tränen gefüllten Tage, einfach nur Heultage. Da reicht nur ein Wort, ein Ereignis, egal was.. es bringt das "Fass zum überlaufen". Ich kriege mich da auch nicht so schnell wieder ein. Ist mein Tränenvorrat aber erst einmal wieder geleert, geht es oft besser und es braucht längere Zeit bis zum nächsten Mal. Manchmal ist man aber auch zu nah am Wasser gebaut, wenn alles ein bisschen zu viel um einen herum ist. Auch das kenne ich.
    Du siehst, da bist du keineswegs allein.
    Fühl dich einfach mal ganz doll umarmt... und ist schon besser ;O)
    Lieben Inselgruß
    Kerstin

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    1. Ja, das stimmt,es gibt immer wieder Phasen im Leben, wo man Nahe am Wasser gebaut ist. Das ist wahrscheinlich völlig normal, so lange es auch die anderen Zeiten gibt, wo am gefestig und ausgelichen durch das Leben geht.
      Wir haben halt Gefühlen und das ist ja auch gut so.
      Liebe Grüsse
      Katharina

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  7. Oh, du wunderbar normale kreative Frau! Danke für diesen Text. Wie oft erging es mir änlich. Und wie stark du bist, dass du immer wieder auf Märkte gehst. Herzliche Grüße
    Cynthia

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    1. Ich habe ja auch sehr viele schöne, lustige, wertschätzende Begegenungen und ich verkaufe ja auch immer mal wieder etwas. Wäre das nicht, wäre es wirklich zu frustriend auf Märkten herum zu stehen.
      Es ist halt schon schön, zu sehen, wie Menschen auf meine Figuren reagieren. Ich sehe in sehr viel lächelnde Gesichter und bekomme viele lobende Worte zu hören. Das ist für mich auch eine grosse Modivation weiter zu machen. Der direkte Kontakt zu den Menschen ist halt schon etwas anderes wie das Internet.
      Liebe Grüsse, Katharina

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  8. ....danke dir für diesne ehrlichen post.....ich umarme dich und fühl dich gesegnet.
    herzlichst
    annette

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte!
      Herzlichst
      Katharina

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