Ein poetisches Bilderbuch zum Träumen, Lächeln, Nachdenken und Freuen


Montag, 23. September 2013

Vom Nachthemd zum Tanzkleid

Ich habe mir gedacht, wenn meine Tocher so weit weg fliegt, mache ich mir eine kleine Freude und gehe einen Tag lang in der Elisabethenkirche in Basel tanzen.
Der Wunsch des Organisators war es, dass die TänzerInnen in weissen Kleidern kommen sollen.
Ich habe es nicht so mit der Farbe Weiss. Aber ich mag in einer Gruppe Weissgewandeter auch nicht auffallen wie ein bunter Hund.
Also habe ich in meinem Stoffvorrat nach einem weissen Stoff gesucht und gefunden habe ich dieses alte Nachthemd:


Unglaublich wie hochgeschlossen die Menschen noch vor nicht all zu langer Zeit zu Bette gingen. So konnte ich natürlich nicht tanzen gehen, ich würde geradewegs ersticken. Darum habe ich es auseinander geschnitten und ein Kleid nach diesem japanischen Schnitt genäht.
Und so sah es dann  nach der Umwandlung aus:


Es sieht übrigens nur so aus, als ob ich hier sprituell total entrückt wäre, ich tue nur so. Aber ich mag diese Bild trotzdem irgendwie recht gern.
Mein schwarzer Hund schaut auch ganz kritisch, vielleich mag er ja die Farbe Weiss auch nicht oder vielleicht findet er, ich hätte das Kleid bügel sollen, bevor ich es fotografiere. 


Ich fühle mich in Weiss nicht wirklich wohl, es ist als ob ich dann zu wenig geerdet wäre. Ausserdem steht sie den wenigsten hellhäutigen Menschen wirklich gut. Vielleicht erinnert sie mich einfach auch nur an Nachthemden aus früheren Zeiten.


Das Schöne gestern war, dass ich erleben durfte, dass alle meine Gefühle sein dürfen und ihren Platz haben. Es flossen Tränen, weil ich traurig wurde beim Gedanken, dass meine Tochter nun so weit weg ist. Ich konnte meine Trauer in dieser Gemeinschaft einfach zu lassen. Das hat mir sehr gut getan.
Und dann konnte ich auch wieder ausgelassen und fröhlich Tanzen. 
Gefühle kommen und gehen und jedes Gefühl ist gut, so wie es ist. Lachen und Weinen, beides gehört zum Leben. Lachen tut man in der Öffentlichkeit, weinen meistens nur im stillen Kämmerlein und das ist eigentlich schade.

Kommentare:

  1. Was für ein schönes Teilhabenlassen!
    Ich wünsche dir und deiner Tochter eine behütete, aber auch inspirierte Zeit fern von einander.
    Wie Du es gestern bereits erlebt hast...

    Herzliche Grüsse, Ly

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  2. Eine schöne Post hast du da geschrieben und Weiß steht dir gut .Gefühle zulassen und aushalten das muss ich auch immer wider lernen .Liebe Grüße Galina

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    1. Die schönen Gefühle sind ja leicht zum Aushalten, aber wir würden sie wohl gar nicht schätzen, wenn wir die weniger schönen nicht kenne würden.
      Weinen können, kann ja auch etwas Schönes sein, aber nur wenn der Schmerz nicht all zu gross ist, so sehe ich das zumindest.

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  3. Jetzt schicke ich dir einfach den tiefen Seufzer, den ich nach dem lesen deiner Zeilen ausgeatmet habe. Sei herzlich umarmt und möge die Zeit euch gut tun und eurer Nähe einen neuen Glanz schenken.
    Seltsam zu wissen, dass wir uns gestern so nahe waren (100 Meter vielleicht...) ohne es zu wissen. (Nein, ich war nicht am Stadtlauf...)
    Herzliche Grüsse
    Gabriela, und ich finde, das Weiss steht dir auch!

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    1. Ach, das wäre ja schön gewesen, wenn wir uns zufällig begegnet wären!

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  4. Weiss ist in Japan die Farbe der Trauer , des Abschieds und des Todes...hört sich jetzt vielleicht befremdlich an..aber passt doch auch ganz gut zu deinem Loslassen..

    Ich denke an dich !
    Stella

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    1. Ich weiss, dass es dort die Farbe der Trauer ist. Irgendwie finde ich sie auch unheimlich, besonders wenn sie so in Gruppen getragen wird.
      Ist schon spannent, was Farben so auslösen können.

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  5. Durch Deinen Post ist mir nun aufgefallen, dass ich gar nix in "weiss" zum anziehen habe ... war mir nie bewusst!
    Das Foto mit Hund ist so toll! Wie Du ihn anschaust! Er Dich ... herrlich!
    Ich habe noch nie davon gehört, dass so eine Idee in einer Kirche umgesetzt wird. Das Dabeisein stell ich mir richtig "gross" vor. Es war wohl genau das Richtige zum richtigen Zeitpunkt. Die Tränen sind gelaufen, das ist gut!
    Mein Sohn war "nur" in Spanien für ein paar Monate damals. Es kam mir sooo weit entfernt vor. Danach haben wir erst gespürt wie gut dieser Weg war. Für den Sohn, für die Mama ....
    Ihr habt Euch für immer, die Gedanken, die Liebe sind ja da!
    Du sieht auch in weiss sehr hübsch aus!
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  6. Oh je bin zufällig auf dieser Seite gelandet. Wie schrecklich. Was es für abgefahrene Menschen gibt.

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    1. Dazu kann ich nur sagen, lieber Abgefahren als Stehengeblieben.

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