Sonntag, 29. März 2009

Der Feind im mir

Ich melde mich kurz zurück von meiner Aufräumaktion, weil mir dieser Artikel aus der Samstagsausgabe des Tagesanzeigers nicht aus dem Kopf geht.



Viele Deutsche wissen es nicht, aber "die Schweizer" haben ein eher gespanntes Verhältnis zu "den Deutschen".
Nun ist es so, dass in der letzten Jahren die Schweiz zu einem klassischen Auswanderungsland für Deutschen geworden ist und das macht "den Schweizern" Angst.
Ich selber bin das Kind einer schweizer Mutter und eines deutschen Vaters und habe nahe zu gleich viele Jahre in Deutschland wie in der Schweiz gelebt.
Kämpfen jetzt in mir die arrogante, unhöfliche Deutsche mit der bescheidenen, freundlichen Schweizerin um die Vorherrschaft im meiner Persönlichkeit?
Gibt es den typischen Schweizer, die typische Deutsche wirklich?
Sind wir Marionetten unserer Nationalität?
Und wenn es so ist, warum können wir die Mentalitätsunterschiede nicht als Bereicherung ansehen?
Warum bestimmen Abgrenzung und Angst unser Leben?
Was haben wir zu verlieren?
Was könnten wir gewinnen, durch Offenheit und Toleranz?

Kommentare:

  1. Tja, vor einigen Jahren zog ich ja für ein Jahr im Rahmen eines Austauschprogramms nach Zürich. Meine Tauschpartnerin, eine seit 30 Jahren in der Schweiz lebende Deutsche, "warnte" mich ein bisschen. Ich konnte es gar nicht glauben, so viele Urlaube hatte ich in der Schweiz verbracht, ohne irgendetwas davon zu spüren.
    Doch, leider mochte ich manchmal nach einigen Monaten in Zürich meinen Mund im täglichen Leben(in der Tram, im Laden) nicht mehr so wirklich aufmachen, und wenn, meist mit tausend Verknotungen in der Zunge.
    Schon ein komisches Gefühl, mit dem ich nie gerechnet hatte. Ausländerin zu sein, in einem Land, dass "eigentlich" gar nicht fremd ist.

    So vieles ist eigentlich nur ein Problem der Sprache, bzw. der Sprachformulierungen.
    Ich weiß noch, wie empört ich war, als ich nach 10 Monaten mal kurz in D war und in den Läden einfach ange"hallo"t wurde ;-).

    In Hamburg wirst du mit garantiert mal mit "tschüs" verabschiedet ohne ein Duzi zu sein.
    Viele Missverständnisse also, aber auch noch mehr, nur das würde diesen Kommentar sprengen.

    Bis bald und ein herzliches tschüs
    Tally

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  2. Ich kenne das Problem nur allzugut. Hier an der Schweizer Grenze....doch umgekehrt ist es ebenso ein Problem, rümpfen doch die Deutschen ihr Näschen über die Schweizer, die bei Aldi und Co einkaufen und dann ihre grünen Zettel rausholen...;-)
    Liebste Allerleirauh, vielleicht solltest du nochmal umformulieren im Post-bei der Stelle"arrogante,unfreundliche Deutsche und bescheidene Schweizerin". Denn ich glaube bei in Grenznähe lebende Deutsche könntest du da in eine empfindliche Stelle treffen.
    Ich fühle mich allerdings mit beiden Teilen sehr verbunden, weil ich immer schon hier wohne, und es nicht anders kenne....und ich hatte noch nie echte Probleme, falls sie unterschwellig waren, waren sie gut kaschiert....
    LG Claudi

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  3. Liebe Tally
    welcome back, schöne Ferien gehabt?
    Liebe Claudia
    ich habe das so geschrieben, weil ich hier in der Schweiz lebe und somit die Sichtweise "der Schweizer" formuliert habe und nicht weil ich das so meinen, für mich sind das eh alles Klischees.
    Liebe Grüsse, Katharina

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  4. Hm, guten Morgen!
    Ich muss sagen, ich weiss das, was du schreibst, vom Hören-Sagen, aber ich erlebe es hier in meinem Umfeld nicht so. Mein Mann ist wie du 20 Jahre in Deutschland aufgewachsen, mit einem Berliner Vater und einer Schweizermutter. In unserem Umfeld sind ganz viele Freunde und Bekannte aus Deuschland, die meisten Lehrer unserer Kinder sind Deutsche, alles wunderbare Menschen.
    Am Institut, wo ich studiert habe, war ich die einzige Schweizerin in meinem Jahrgang, und das in Basel! :-) Aber vielleicht merke ich es ja nicht, weil ich selber so arrogant bin!
    Vielleicht ist es auch die Grenznähe hier, vielleicht meine Weigerung, in Klisches zu denken, vielleicht eine Frage der Gesellschaftsschicht, in der man sich bewegt.
    Ich möchte zum Beispiel nicht am rechten Zürichseeufer wohnen!

    Sind das nicht dieselben Menschen, welche jegliche Andersartigkeit als Bedrohung empfinden? Arroganz ist für mich keine Eigenschaft, die an eine Bevölkerung gebunden ist. Dass die schnelle Sprache auf uns langsam sprechende Schweizer etwas atemloses hat, das Gefühl vermittelt, nicht nach zu kommen, das kann ich nachvollziehen. Aber das ist ja kommunizierbar.
    Traurg finde ich, wenn wie in den letzten Tagen die Fronten auf Boulevardblattniveau gemacht werden. Da springen natürlich dann Tausende auf, das macht Stimmung, das finde ich einfach schlimm, aber es ist ein Spiegel unserer Welt.

    Suche die Versöhnung in dir und lebe sie, wir müssen aus den Zellen der Menschlichkeit leben und verändern.
    Ich bin gerne Schweizerin, aber ich wüsste nicht, was ich ohne die Deutschen tun würde, jedenfalls nicht ohne meinen!

    Lieben Gruss und viel Spass beim Räumen, wo auch immer du räumst..

    Gabriela

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  5. hier bei ins sind's die österreicher und die deutschen. vielleicht nicht ganz so extrem, aber trotzdem kann 'man' sich gegenseiteig nicht riechen. alles fremde und andersartige macht den meisten menschen angst. da helfen schubladen zum kategorisieren der anderen, was vermeintliche sicherheit vermittelt. egal in welchem zusammenhang. ob nationalität, beruf, geschlecht ... viele menschen glauben einen 'einordnen' zu können, wenn sie diese dinge über einen wissen.
    lg, mito, die sich bemüht auch ohne schubladen ordnung in ihrem kopf zu halten!

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  6. meine liebe,
    jetzt will ich auch kurz was schreiben,
    als österreicherin im *preußenland*...ich finde es für mich eine bereicherung...hier zu leben und ich genieße das anders sein sogar,
    mit allem drum und dran, es ist nicht alles was ich erlebe immer positiv ;)
    und dieses schubladen-denken bezieht sich ja nicht nur auf die staatsangehörigkeit, gerade was kleidung,aussehen...betrifft,
    manchen leuten macht es angst, wenn jemand nicht mit der masse schwimmt, bei mir ist es gerade umgekehrt,
    bin ein fisch vom sternzeichen und schwimme gerne mal gegen den strom,
    einen schönen tag dir in der schönen schweiz ;)
    lg
    sylvie

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  7. Diese Abgrenzungen sind ja ein ganz universelles Phänomen - ich glaube das ist die menschliche Natur, die Unterscheidung zwischen "uns" und "denen" gibt Sicherheit, sie sagt mir, wer ich bin. Was nicht heißt, dass man Unterschiede nicht überwinden könnte, aber das ist ein bewusster Akt, dafür muss man erzogen werden. Wobei ich bei der kleinen Feindschaft zwischen Deutschen und Österreichern, Deutschen und Schweizern, Deutschen und Niederländern sowieso eher den Eindruck habe, dass man sich nicht so mag, weil man so ähnlich ist. Also nach dem Motto: die Eigenschaften, die mich an mir selbst auch stören, die sehe ich am anderen, und dort kritisiere ich sie, das ist nämlich einfacher, als mich selbst zu kritisieren.

    viele Grüße aus Multikulti-Berlin, wo die Schwaben das "Feindbild" schlechthin sind, Lucy

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  8. Nun wohne ich ja eine ganze Strecke weg von der Schweiz, aber wir hier finden die Schweizer sehr cool!!! Ich habe auch ein "gemischtes Paar" im Freundeskreis- alles gut!
    Verfilzte Grüße,
    frauke

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  11. sorry liebe Allerleihrauh - ich bekomme den Link nicht eingestellt, den ich eigentlich hier hinstellen wollte über die Problematik der Ausländerpolitik in der Schweiz:
    http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E481C846F4508465F9B70B94C4BAEFB09
    ~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Es entschuldigt zwar keine Fremdenfeindlichkeit - fördert aber vielleicht ein wenig das Veständnis für die Situation.

    LG Tinki

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  12. Liebe Allerleirauh,
    ich lebe als Schwedin in einem südösterreichischen Dorf mit 800 Einwohnern. Als ich hierhiergezogen bin, haben mir die Leute hier allen Ernstes erzählt, daß die Leute im "Dorf" und die am "Berg" (es ist eine typische Streusiedlung) sehr, sehr verschieden sind - ganz zu schweigen von den Leuten aus den Nachbardörfern (alle ca 5 Autominuten voneinander entfernt) ...
    Da hab' ich echt nicht gewußt, ob ich lachen oder weinen soll (- vor allem bei dem Wissen, daß die Dörfer in Nordskandinavien manchmal 500 km voneinander entfernt sind, und die Leute dort trotzdem eine gewisse Zusammengehörigkeit empfinden)!
    Fazit: die Abstände tragen wir, wenn, dann in unseren eigenen Köpfen!

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  13. Das Problem ist mir sehr bekannt. Allerdings habe ich selbst nur positive Erfahrungen gemacht .. allerdings als Touristin, Wanderin, ... und das scheint ein großer Unterschied zu sein. Hier in Lindau leben viele Menschen, die in die Schweiz zur Arbeit pendeln und wenn man dort arbeitet scheinen die Unterschiede doch sehr spürbar zu werden. Ich weiß von zwei Familien, die in die Schweiz umgezogen sind, weil er dort arbeitet - sie sind aber wieder zurück gezogen, weil die Frau/Familie sich einfach nicht integrieren konnte. Schade!

    Ich muss gestehen, dass ich das innerlich gar nicht auf die Reihe bekomme, denn ich ich liebe die Schweiz sehr und fühle mich dort immer sehr wohl.

    Übrigens ist es immer eine große Sache als Ausländer in einem Land zu leben. Ich habe das ja in Spanien und in Frankreich jahrelang gemacht. Selbst wenn du irgendwann akzentfrei sprichst, das Land liebst und die Menschen dort und die Lebensweise... du bist und bleibst der Ausländer.

    Wei geht es nun Menschen wie dir? Menschen, die zwei Nationalitäten haben? Mein Sohn ist Deutscher ud Spanier und in Frankreich geboren. Er hat von allem etwas.

    Kommt die Zeit Europas erst noch?

    VIele liebe Frühlingsgrüße von Ellen

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