Dienstag, 5. Mai 2009

Lebenswege


Der Marathonmönch geht mir nicht aus dem Kopf. Besonders auch der Aspekt, dass es für einen Mönch, der dieses rituelle Gehen angefangen hat, kein Zurück mehr gibt.
Weder Krankheit noch schlechtes Wetter dürfen ihn daran hintern seinen vorgeschrieben Strecke ab zu schreiten. Schafft er das nicht, bleibt ihm nur der letzte Weg, der Weg in den Tod. Ein Messer dafür trägt er immer bei sich.
Schwäche darf es für ihn nicht geben.
Wie klein, wie schwach fühle ich mich angesichts solcher Dimensionen der Leidensbereitschaft und der Selbstaufgabe?
Zu was sind wir Menschen fähig auf unserem Lebensweg, was vermag der Wille, der Glaube?
Wieviel unseres Potenzials schöpfen wir wirklich aus, zum Guten für uns und unseren Mitmenschen?
Wie oft lassen wir uns aufhalten, schon durch kleine Steine, die uns in den Weg gelegt werden?

Kommentare:

  1. Du Liebe
    deine beiden letzten Posts lösen in mir Gedankenfluten aus, die niederzuschreiben mir in meinen PC-Päuschen die Ruhe fehlt. Ich nehme sie mit in meine heutige Massage und hoffe, später eine paar Tropfen dieser Flut deponieren zu können.
    Ich wünsche dir einen wachen Tag.
    Gabriela (Mocca-Jogurt leer, daher Tagesbeginn JETZT)

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  2. Du weißt ja...die Samen...man sät...Sinn macht es nur, wenn man danach auch erntet. Und säen tut wohl jeder, ob er will, oder nicht.
    Wir schleppen wohl ein Leben lang einen Samensack mit Loch auf unseren Schultern. Kleines Loch? Großes Loch? Ein Loch oder mehrere? Es könnte auch noch das Verhältnis von Samen- und Lochgröße zählen.
    Was keimt denn so in unseren Spuren? Unkraut? Kleine Filzblümchen? Wunderbäume...nicht nur weil ev. Wunder dranhängen, sondern weil etwas ganz anderes runterfallen mag als was man erwartet hatte.
    Und wenn man schon mal eine "Rose" im Garten hat (wie wir wissen im Normalfall mit Dornen), pflegt man sie (im Normalfall) auch. Manchmal etwas lustlos. Lass die Kanne heute ruhen und setz dich eine Weile unter den Apfelbaum. ;o)
    Eins ist sicher: wie man sät, so schläft man.

    PS.: Willkommen bei mir! Kuchen gefällig?

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  3. Aber auch Scheitern ist menschlich! Ich finde nicht, dass wir alle (da wir ja keine Mönche sind) immer jeden Weg unbedingt bis zum Ende gehen müssen. Leidensbereitschaft nd Selbstaufgabe sind für mich kein Wert an sich. Im Gegenteil, sollte es sich herausstellen, dass mir mein Lebensumfeld nur noch Selbstaufgabe abverlangt, halte ich es für dringend nötig, das zu ändern. Und nicht weiterzumachen, nur um durchzuhalten.

    einen schönen Tag, Lucy

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  4. ich schließe mich lucy's worten voll und ganz an....
    selbstaufgabe ist keine tugend, sondern für mich eine dummheit.
    wer selbstbewußtsein hat, der kann es nicht aufgeben, auch nicht durch ein messer das er bei sich trägt.

    das messer ist für ihn die option den weg abzukürzen, in's nirwana...
    und wer bereit ist alles, alles loszulassen, ist bereits in den hallen der seelen und braucht das irdische leben nicht mehr.
    für uns westliche religions und wertesysteme schwer nachzuvollziehen...

    aber sprach nicht auch jesus von den hallen der seeligkeit und des trostes ?

    der tod ist nicht das ende, das glaube ich wirklich.
    es ist nur die trauer der lebenden die den tod so schwer sehen...
    (was auch verständlich ist...)

    wie auch immer...
    der rhytmus hält das leben und sterben zusammen...
    sehr schön dargestellt in dem besonderen filmtipp für dich :

    antonias welt

    dort geht es auch um das leben, und das sterben, und die wege die man dabei zurücklegt....

    einen besinnlichen tag wünscht dir von ganzem herzen
    stella

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  5. Corinna, du schreibst immer so schön bildhaft und Kuchen, immer gerne. (o;
    Lucy und Stella, ich sehe das auch so mit dem Scheitern, das gehört für mich zum Leben und bringt uns auf unserem Weg auch weiter oder in eine neue Richtung. Aber ich kann mich der Faszination dieser Kraft nicht entziehen, die auch Unmögliches möglich macht.

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  6. Was ich vergessen hatte zu schreiben: kennst du Team Hoyt? Aufmerksam auf sie machte mich meine Cousine mit dieser Mail:

    Eines Tages fragt ein Sohn seinen Vater: "Papa, läufst du mit mir einen Marathon?"
    Der Vater antwortet "ja" und sie laufen zusammen ihren ersten Marathon.
    Ein anderes mal fragt der Sohn seinen Vater wieder: "Papa, läufst du mit mir noch einen Marathon?" und der Vater antwortet wieder "ja, mein Sohn".
    Eines Tages fragt der Sohn seinen Vater: "Papa, willst du einen Ironman mit mir zusammen bestreiten?"
    (4 km schwimmen, 180 km rad fahren, 42 km laufen!)
    und der Vater antwortet mit "ja" ...

    seht selbst:

    http://www.youtube.com/watch?v=VJMbk9dtpdY

    Manifestation des Glaubens (und damit meine ich jetzt nicht unbedingt Gottesglauben) die mir als erstes einfiel als ich deine Zeilen lies. Ich bin davon sehr tief gerührt. Und der Mönch kann sich IM VERGLEICH dazu von mir aus verstecken, denn er wandert nur für sich alleine. Und aus dem Leben zu steigen mag alleine auch leichter sein, wenn es ihm gerade so "gefällt".
    (Ob es einigermaßen verständlich wahr, was ich so meine?)

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  7. Corinna, wow, das geht Mitten ins Herz, berührend.
    Ich glaube aber nicht, dass der Mönch nur für sich läuft, sondern für ein höheres Ziel und ich denke mal, das hat auch mit Liebe und Hingabe zu tun.

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  8. Auch ich denke:
    Der Glaube versetzt Berge!!!!
    und glaube fest daran ♥lich GabiB.
    Wünsche dir viel Glaube Mut und Zuversicht....

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  9. Ich glaube, ich kapiere. Ich grübel fleißig weiter. :o)

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  10. Ich bin froh, diesen Weg nicht zu gehen, nicht gehen zu müssen.
    Mein Weg heißt:
    Im Scheitern hoffen lernen,
    im Versagen gehalten sein, trotz
    Versagen zu Neuem berufen und befähigt zu werden, im Glauben den
    Zweifel auszuhalten und im Zweifeln
    vielleicht doch nicht zu verzweifeln.
    Und: Nicht ich bin es, die alles leisten muss!
    Liebe Grüße
    Ingrid

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  11. Liebe Du!
    Ich glaube, es ist besser, wenn ich mich jetzt kurz fasse, als dass ich endlos auf den Moment warte, wo ich ausführlich schreiben könnte.
    Ich habe keine Antwort, das vorneweg.
    Aber ich fühle mich dir verbunden im Suchen, in der Faszination, dass solche Bilder Fragen in uns anrühren, die ganz tief drin eine Sehnsucht aufkeimen lassen nach Erfüllung, nach tiefem Sinn, nach Wahrheit, die erlebbar ist, die im Gleichschritt geht mit unserem Atem, mit unserem Sein.

    Bestimmt hast du bei seelenruhig diese Tage die Geschichte gelesen vom suchenden Gelehrten.
    http://seelenruhig.eu/sr/?p=3508
    Immer ist diese Sehnsucht spürbar, dieser Hunger, diese eine Frage, die vorwärts drängt, jeden in seine Richtung, auf seinen Weg. Dieser Weg MUSS durch Leere, durch Schmerz, durch Kälte und Kraftlosigkeit gehen. Dieser Weg tut sich erst auf durch das Fragen. Und dieser Mönch kann durchaus IN uns leben, auch wenn wir im äusseren Leben eingebunden sind in unsere Netze, wenn die Fenster in unsere Mönchswelt in Alltagsgeschehen gehauen sind.
    Je hingebungsvoller wir uns auf diesen inneren Weg machen, seine Schwere bejahen lernen, desto leichter und lichtvoller wird unser Leben, unsere Hingabefähigkeit, unsere Liebe zu den Menschen werden. Dann werden auch wir unseren Sohn im Rollstuhl durch den Marathon tragen.

    Und zum Messer: Das ist doch Zeichen für den Mönch, Zeichen für seine Bedingungslosigkeit in der Hingabe. Er weiss, dass er sich genauso real abschneidet von seinem Lebensquell, wie er sich abschneiden würde vom Erdenleben, würde er sein Streben aufgeben.

    Ich wünsche dir einen kraftvollen Erdentag, tief erlebte gezählte Stunden mit deinem Iamos, gute Begegnungen und ein lebendiges inneres Zittern beim Nachspüren dieser inneren Fragen.

    Warum mir dieses Lied jetzt in den Sinn kommt, weiss ich nicht, schreibe es trotzdem auf. Wohl wegen "Zittern/ Unruhe":

    Du selber machst die Zeit
    das Uhrwerk sind die Sinnen.
    Hemmst du die Unruh nur,
    so ist die Zeit
    von hinnen.

    Gabriela

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  12. Liebe Allerleihrauh,

    danke, für diese Gedankenanstösse in den letzten tagen, sie werden mir in den nächsten Wochen zu denken geben :-)
    Danke auch für die lieben Wünsche!
    Ich hoffe du kannst die letzten Wochen mit Iamos noch genießen, ohne das der Abschiedschmerz zu sehr hindert.
    Liebe Grüße
    Rina

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  13. Liebe Gabriela
    so viele Gedanken von Dir, vielen Dank!
    Menschliches Leben ohne Leid, dass gibt es wohl nicht. Die Intensität des Leidens ist massgebend habe ich das Gefühl. So kommt es vor dass ich an irgendwelchen Luxusproblemchen leide und das bringt mich leider gar nicht wieder. Gut merke ich das immer mal wieder und schüttle nachsichtig den Kopf über mich.
    Wirkliches Leiden gibt dem Leben Gewicht, Tiefe und letztendlich auch Verständnis für die Nöte der Mitmenschen.
    Mit "Unruh" ist wohl gemeint, dass man nicht träge werden soll, versuchen immer den Moment zu leben?
    Liebe Grüsse, Allerleirauh

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