Donnerstag, 4. Juni 2009

Liebe oder Egoismus?


Morgen ist es so weit, Iamos wird seinen Weg ohne mich weiter gehen.
Gerade eben im Wald hatte ich ein Gespräch mit einem Mann, das mich nachdenklich und auch traurig gestimmt hat.
Wir kamen auf die zukünftige Aufgabe von Iamos zu sprechen und da war er wieder dieser oft gehörte Satz: "Das könnte ich nicht!"
Diesmal in entrüstendem Tonfall und es vielen Sätze, wie: Für den Hund ist das grausam. Das eigene Kind würde man ja auch nicht weggeben.
Meine Argumente und Erfahrungen mit Blindenführhunden lies dieser Mann nicht gelten.
Was zählte, war seine moralische Überlegenheit mir gegenüber.
Beide Hunde, die ich aufzog, sind mir sehr ans Herz gewachsen, ich habe sie aber in einer inneren Freiheit aufgezogen, mit dem Bewusstsein, dass es nicht meine Hunde sind.
Für mich ging das gut und für meinen ersten Hund Asco wohl auch. Es kam erst vor kurzem ein Mail von seinen jetzigen Besitzern, dass sie mit ihm das grosse Los gezogen haben, er wäre ein super sozialisierter, wunderbarer Hund. Das klingt nicht nach einem unglücklichen Hund und das obwohl er zwei verschiedene Bezugspersonnen in seinem Leben hatte.
Für mich ist es vermessen zu sagen, nur ich weiss was gut für einen Hund ist und nur bei mir wird mein Hund glücklich. Er wird wohl glücklich, dort wo er geliebt wird, dort wo er eine Aufgabe hat, die ihn erfüllt.
Ich hoffe, dieser Mensch im Wald, wird nie auf die Hilfe eines dieser wunderbaren Hunde angewiesen sein und schön gibt es Menschen, die bereits sind und das oft mehrmals, Welpen aufzuziehen, die anderen Menschen ihr Leben leichter machen.

Kommentare:

  1. Ziehen wir nicht auch unsere Kinder gross, um sie später ihren eigenen Lebensweg gehen zu lassen?
    Wir geben auch den Kindern "nur" den Start ins Leben, welches sie dann für sich weitergestalten.

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  2. Dazu fällt mir nur ein: Auch ein Knd muss man irgendwann eigene Schritte in die Welt gehen lassen... Was soll man dazu sonst sagen? Wer sagt denn, dass alle Hunde nur mit einer einzigen Bezugsperson zurechtkommen, und sonst unglücklich werden? Intelligente Hunde sind sehr unglücklich, wenn sie nichts zu tun haben. Aber wie intelligent auch immer: Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Hunde, wenn sie gut behandelt werden, ihrem alten Besitzer so "hinterhertrauern", wie Menschen das tun würden, oder Heimweh haben. Das sind meiner Ansicht nach Projektionen menschlicher Gefühle auf den Hund.

    viele Grüße, Lucy

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  3. ...und wieder einmal stelle ich schmerzvoll fest- es gibt eben mehrere wahrheiten.....!!!

    ich finde es gaaanz toll was du machst!!!

    für morgen viel kraft und viiiel vorfreude auf dein kleines schwarzes wollknäuel...

    allerliebste grüße
    sabine

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  4. Ich bewundere dich sehr für diese Aufgabe, die du mit viel Liebe und Hingabe erfüllst.
    Kaum jemandem, der davon hier gelesen hat, wird nicht der Gedanke furch den Kopf geschossen sein, wie das wohl traurig für dich sein muss, wenn der Tag der Trennung gekommen ist. Das ist es ganz sicherlich, aber wie du sagst: es ist ein Geschenk für die Blinden, dass es solche intelligenten, treuen Gefährten gibt, die ihnen durchs Leben helfen.

    liebe Grüße von Ellen

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  5. Laß dir bitte kein schlechtes Gewissen von diesem Herrn einreden.Lieben heißt loslassen können und du hast iamos zu einem erwachsenen Hund "gemacht", der selbst jemand beschützen kann, der selber für den Menschen entscheiden muss.
    Wie oft erlebe ich männliche Hundebesitzer, die an ihren Tieren Dinge ausleben, die sie im menschlichen Miteinander nicht praktizieren können. Diese Tiere hätten besseres verdient.

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  6. Welch eine Vorstellung, zu denken, daß man als Bezugsperson so wichtig für den Hund ist, daß man ihn nicht mehr weggeben darf?! Ich denke, man schenkt ihm doch Liebe, Vertrauen und eine wunderschöne Lebenszeit, um dann eine richtige Aufgabe erfüllen zu können und eine neue Bezugsperson zu bekommen, die genauso liebt und die das ganze Vertrauen in den Hund stecken mag. - Auch wenn ich selber keinen Hund habe, so denke ich, daß es für DICH schwer ist loszulassen, weil man den Hund liebgewinnt. Ich muß meiner Vorrednerin zustimmen, - Gib den Kinder Halt wenn sie klein sind und Flügel wenn sie größer werden! Vielleicht nicht vergleichbar, aber eine Chance für den Hund etwas großes zu Leisten!
    Liebe Grüße Tinki

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  7. Es ist so eine bedrückende Krankheit, die der Mensch seit Generationen da mit sich herum trägt. Er glaubt immer noch daran, dass seine Sicht der Dinge allein seelig macht. Wann können wir akzeptieren, dass Menschen nicht immer unseren Pfaden folgen müssen um richtige Entscheidungen zu treffe. Wann können wir es aushalten, dass jeder seine "eigene Landkarte" besitzt, die meiner nicht immer ähnlich ist. Nur aus der Verschiedenheit erwächst Reichtum im Geist - nicht aus dem Beharren auf selbstgesponnenen Wahrheiten.
    Ich finde es wunderbar, wie fein verzweigt und verantwortungsbewußt deine "Landkarte" ist. Schade, dass der Mann im Wald das nicht auch sehen wollte!
    Liebe Grüße
    Susanne

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  8. Ja, liebes Allerleirauh, das ist der Unterschied zwischen den Menschen! Du bist eine freie Seele und hast Freude am Jetzt und Hier! Er ist ein unfreier Mensch und klammert und zweifelt.
    Ich finde deine Arbeit großartig und ich wünsche deinem Iamos für seine Zukunft alles gute! (dir natürlich auch-zwinker!)
    Liebe Grüße
    Isabelle

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  9. Bin ganz deiner Meinung! Ich wage sogar zu behaupten, dass die Hunde "wissen", was sie erwartet... und wären sie nicht einverstanden, so würden sie bei der Prüfung durchfallen! Tja, all das mute ich ihnen zu! <;o)
    Drück den Iamos mal ganz feste von mir!! Ich wünsche ihm alles alles Liebe auf seinem weiteren Weg...
    Sonnige Grüsse, Vilma

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  10. Wir neigen dazu unsere Hunde zu vermenschlichen, aber Hunde sind nicht nachtragend, sie schauen nicht zurück, sondern immer nach vorne, sie leben im jetzt.
    LG
    Evelyn

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  11. Liebe Allerleirauh,
    habe deine Zeilen jetzt mehrmals gelesen und weisst du...ich wäre stolz und glücklich darüber (m)einem "Kind" für einen Abschnitt in seinem Leben Selbstbewusstsein, Freiheit und Liebe gegeben zu haben, dass es den weiteren Weg in seinem Leben selbstbewusst, frei und liebevoll auch ohne mich gehen kann. Und ich kenne mich wirklich überhaupt nicht mit Hunden aus, aber ich glaube das spürt Iamos.
    Wünsche euch alles Liebe
    Susanne

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  12. Seit zwei Jahren überlege ich einen Vita-Hund zu mir zu nehmen um ihn dann auch freizugeben und in seiner Bestimmung als Behindertenhund seine Aufgabe zu finden. Aus beruflichen Gründen habe ich noch zwei weitere Jahre Zeit zu überlegen(arbeite zur Zeit befristet Vollzeit). Deine Berichte motivieren mich, mich dann
    dieser Aufgabe und dem Abschied zu stellen. DANKE!!!
    Herzliche Grüße Claudi

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  13. Claudi, ich kann dir diese Aufgabe von ganzem Herz nur empfehlen.
    Liebe Grüsse, Allerleirauh

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  14. Ich bin durch Zufall her gelangt und hängen geblieben. Faziniert und berührt.
    Es ist Liebe jemanden gehen zu lassen, seinen Weg in seine Zukunft. Für Hunde genau wie Menschen.
    Manche Wesen/Individuen sind nur eine begrenzte Zeit bei uns um durch uns ihre wahre Bestimmung zu finden. Unsere Tiere, wie unsere Kinder.
    Die Kinder sind auch nur eine bestimmt Zeit in unserer Obhut um dann ihre eigene Zukunft zubeschreitet.
    Warum sollte das Tiere nicht auch vergönnt sein?
    Für mich hast du eine besondere und bewunderenswerte Stärke.
    Ich als Tiertherpeut wünschte mir mehr solcher Menschen, die wissen was der beste Weg für ihre Tiere ist.
    Liebe Grüsse von Elfe und ihrer tierischen Bande

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