Freitag, 4. Mai 2018

Gedanken zu alten Eltern

Seit einem Schlaganfall vor 2,5 Jahren ist meine 90jährige Mutter, die mit ihrem zweiten Namen Margit gerufen wird, auf Hilfe angewiesen.
Normalerweise fahre ich alle zwei Wochen für einen Tag zu meinen Eltern. Koche etwas Feines, gehe spazieren, dusche sie, weil sie bei Pflegerinnen immer aggressiv dabei wurde. Tue Dinge, von denen ich noch vor drei Jahren gesagt hätte, dass könnte ich nicht.
Ich hatte nie ein körperliches Verhältnis zu meiner Mutter und da kann man sich eben schlecht vorstellen, die Mutter zu waschen und aufs Klo zu begleiten.
Dass das aber gar keine Problem ist, war dann schon eine gute Erfahrung für mich.
Diese Woche war ich etwas mehr gefordert, denn am Montag musste sich meine Mutter einer Operation unterziehen.
Ich habe sie ins Krankenhaus gefahren. Gemeinsam mit ihr, wegen einem Notfall, der dazwischen kam, 5 Stunden auf den Beginn der OP gewartet. Nach drei Stunden hatte sie die OP ohne Komplikationen gut überstanden und gestern konnte ich sie wieder nach Hause bringen.


Ich kümmere mich nicht aus einer Schuld heraus um meine Eltern, ich mache das freiwillig, aber nur soweit, wie das für mich stimmt.
Denn nur was man freiwillig tut, kann man von Herzen tun.
Ich bewunder alle Menschen, die sich 100% um ihre Eltern kümmern. Für mich sind das Helden, denn sie stecken ihre eigene Bedürfnisse zurück und brauch so viel Geduld, um sich, um die nicht immer sehr pflegeleichten alten Menschen zu kümmern.
Meine Meinung ist auch, dass meine eigenen Kindern mir nichts Schulden. Ich habe sie nicht gefragt, ob sie auf diese Welt kommen wollen. Das Leben mit Kindern ist nicht immer einfach, aber es ist keine Vergleich zu dem, was man leistet, wenn man seine Eltern betreut.
Kinder aufwachsen zu sehen, macht sehr viel Freude, man hat die Zukunft vor Augen.
Eltern alt werden zu sehen, ist nicht einfach, man hat die eigene Vergänglichkeit vor Augen.

Kommentare:

  1. Deine Worte haben mich sehr berührt und mich auch ein bisschen traurig gemacht, weil sie Erinnerungen in mir wachgerufen haben an meine beste Freundin, die vor ein paar Jahren unerwartet erkrankt und kurz darauf gestorben ist. Aufopfernd hat sie viele, viele Jahre lang ihre eigene Mutter gepflegt, die sie ins Haus geholt hat, weil es eben nicht mehr so ging alleine. Die Mutter wurde 99 Jahre alt und hat sie am Ende gar nicht mehr erkannt. Hat nur gelächelt und ihr das Gesicht gestreichelt und gemeint: Sie sind so lieb zu mir. Das war berührend, aber auch hart für meine Freundin, nicht mehr als ihre Tochter erkannt zu werden. Zehn Jahre nach dem Tod der Mutter, die am Ende friedlich eingeschlafen ist, wurde meine Freundin sehr krank und ist kurz darauf gestorben. Man könnte meinen, die Pflege habe sie aufgezehrt, aber das war nicht so. Sie war todtraurig, als diese selbstauferlegte *Pflicht* wegfiel und die Mutter plötzlich nicht mehr da war. Sagte aber wie du: das erwarte ich von meinen Kindern nicht, dass sie mich einmal pflegen. Umso mehr hat es sie berührt, in der schweren Zeit ihrer Erkrankung so viel Liebe und Unterstützung von ihren drei Kindern zu erfahren, die ihr damit auch gezeigt haben, was vielleicht nie ausgesprochen wurde: wie sehr sie geliebt und wertgeschätzt worden war. Ich finde es großartig, was du da auf dich nimmst, weiß nicht ob ich das könnte. Meine Eltern leben nicht mehr und waren nicht auf meine Hilfe angewiesen, so konnte ich es auch nie herausfinden. Lieben Gruß und viel Kraft für das, was du da leistest !!! Rena

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    1. Liebe Rina
      Dass deine Freundin, das nicht von ihren eigenen Kindern erwart hat, sagt ja schon aus, dass es sicher nicht immer einfach war. Es ist eine Tatsache, man stellte das eigen Leben zurück.
      Da ist sicher einfacher, wenn man "liebe" Eltern hat.
      Gestern hat mir eine Bekannte, die acht Jahre lang ihre Mutter betreut hatte, gesagt, dass wenn sie ihren Vater hätte betreuen müsse, sie sicher vom Balkon gesprungen wäre, weil er einen viel schwierigern Charakter hatte. Nicht jeder hatte eine gute Kindheit, nicht jeder hat ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern. Das muss alles mit berücksichtig werden.
      Es ist eine grosse menschliche Leistung sich liebevoll, zuhause, um sein Eltern zu kümmern.
      Da ist das, was ich tue nicht dagegen.
      Meine Verhältnis zu meiner Mutter hat sich seit dem Schlaganfall sehr verändert. Es ist eine grosse Nähe entstanden, die wir vorher so nicht hatten. Es tut auch gut, dass wir auch über die weniger schönen Dinge, die zwangsläufig geschehen in Familien, denn wir alle machen Fehler, noch reden können. Ich nehme eigentlich nicht so gerne grosse Worte in den Mund, aber es ist wirklich eine Versöhnung und Heilung dadurch möglich geworden.
      Auch das aussprechen von dem, was gut, war ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig.
      Liebe Grüsse, Katharina

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  2. Nein, man schuldet den Eltern, den Mitmenschen nichts, aber es macht einem "rund", es macht reif und das Zusammenleben mit Menschen verschiedenster Altersstufen, das sich Auseinandersetzen mit deren Bedürfnissen ist das Geheimnis einer lebenswerten Gesellschaft. Du machst das gut und nein, Du wirst es nie bereuen. Es wird anstrengend, nervenaufreibend, aber Du wirst über Dich hinaus wachsen und Dinge schaffen, die Du heute für unmöglich ansiehst und mit dieser Erfahrung im Rucksack auch in anderen Lebensdingen zuversichtlich sein können. Alles Gute

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    1. Liebe Tina
      Merkwürdigerweise haben mich die letzten Jahre wirklich reifer gemacht.
      Vermutlich liegt das daran, dass die Mutter-Kind-Rollen gewechselt haben. Es gibt keine Mutter mehr, die man um Rat fragen könnte, satt desen muss man nun selber Dinge für seine Mutter entscheiden.
      Es ist nicht so, dass meine Mutter bei mir lebt. Sie lebt zusammen mit meinem Vater in Deutschland. Die Tage, die ich bei ihnen verbringe, geben mir eine Ahung davon, was Frauen leiste, die die Eltern zuhause pflegen.
      Ich bin sicher, dass ich dazu wäre ich nicht fähig wäre.
      Meine Mutter hat das früher auch immer gesagt, dass sie das nicht wollen würde, dass wir Kinder sie pflegend müssten.
      Liebe Grüsse
      Katharina

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  3. Deine zwei letzten Sätze bringen mich dazu Dir schreiben zu wollen: Das ist so wahr, dass einen die Betreuung der Eltern so sehr an die eigene Endlichkeit denken lässt. Der Rollenwechsel von Tochter zu Betreuer hat auch seine Tücken. Ich habe meine Mutter 5 Jahre lang betreut, ich weiß genau, welche Gefühle Du beschreibst. Und ja, auch ich werde nach dieser Erfahrung meinen Kindern sagen, dass sie sich keinesfalls verpflichtet fühlen sollen mich zu betreuen. Ich finde es wichtig, dass man wie Du darüber schreibt, denn Alter und Tod werden inzwischen so aus unserem Leben ausgeklammert, dass man gar nicht mehr weiß, wie man damit umgehen soll.
    liebe Grüße Dodo

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    1. Liebe Dodo
      Das Unbequeme, Beängstigende wird halt gerne zu Seite geschoben.Das ist wohl menschlich.
      Ich denke, mir hilft auch, dass ich auch ganz oft lachen kann, über bestimmte Situation, die ihre eigen Komik haben. Und auch meine Mutter kann ich oft zum lachen bringen, obwohl sie oft traurig ist über ihre Situation. Das hilft mir wohl meine Clownausbildung.
      Alte Menschen sind oft unglaublich humorvoll, so erlebe ich es zumindest in den Altersheimen bei meinen Besuchen.
      Ich bin im Grunde froh, ist meine Mutter nicht schnell gestorben, nach ihrem Schlaganfall. Weil ich dadurch auch ganz viel Schönes erleben darf. Auch wenn es schon so eingiges gibt, dass mühsam ist.
      Sich den Problemen zu stellen, ist wohl der beste Weg, auch wenn man manchmal schon am liebsten davon rennen würde.
      Liebe Grüsse, Katharina

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    2. Ach Katharina, schön, wenn Du Deine Mutter zum Lachen bringen kannst.Das ist mir eher selten gelungen, obwohl ich mich bemüht habe. Aber Recht hast Du, dass man auch oft bei der Betreuung lachen kann: z.B. Wenn die Mutter an ihrem 90. Geburtstag die Frage stellt: "Wie alt bin ich eigentlich?" Du sagst"90, Mama" und danach kommt lange nichts und dann die Frage"Näää, sooo alt? Wollte ich doch nie werden!"
      liebe Grüße Dodo

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    3. Und ja, davonrennen wollte ich wohl auch öfters, wenn es einfach zuviel wurde

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    4. Genau diese Komik meine ich oder auch die Bildsprache.
      Meine Mutter meinte vor kurzem auf die Frage, wie weit sie den heute gelaufen ist. "Bis zur goldenen Ampel" und meinte damit ein Kreuz an dem goldglänzender Jesus hängt. So etwas finde ich einfach herrlich.
      Und das du immer mal wieder davon rennen wolltes, kann ich mehr wie nachvollziehen.

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  4. da schneidest du wirklich ein Thema an ..
    doch.. ich denke das bin ich meinen Eltern in gewisser Weise schuldig
    (auch wenn meine Mutter schon gestorben ist mit 86)
    so lange sie sehr selbstständig ihr Leben meisterten habe ich mich eher um Andere gekümmert die alleine waren und mich eher brauchten
    meine Mutter war dann immer etwas "eingeschnappt"
    aber ich habe immer gesagt.. wenn Not am Mann ist bin ich für euch da..
    jetzt ist mein Vater 98 .. er lebt noch alleine und versort sich selber
    ich wasche für ihn und am Sonntag kommt er zum Essen
    ich fahre ihn auf größeren Touren (das Auto habe ich ihm abgeluchst ;) )
    ansonsten fährt er sein Elektromobil
    also ist er noch nicht auf dauerhafte Pflege angewiesen
    er spricht zwar auch davon ins Altenheim zu gehen wenn er nicht mehr kann
    aber ich weiß nicht ob ich ihm dazu raten würde
    ich wäre durchaus bereit ihn daheim zu pflegen und das auch zu organisieren ..
    aber wir hoffen ja den 100. feiern zu können ;)
    komischerweise sage ich auch immer ich würde das meinen Kindern nicht zumuten wollen ..
    aber wenn es dann soweit ist??
    Ich hoffe die Frage müssen wir noch lange nicht beantworten ..
    ich finde schön dass du den Zugang zu deiner Mutter gefunden hast
    mein Verhältnis zu meiner war auch etwas angespannt

    liebe Grüße
    Rosi

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    1. Meine Mutter war das was man eine Löwenmutter nennt, sie hat wirklich alles für uns Kinder gemacht. Darum bin ich jetzt auch froh, dass ich ihr meine Wertschätzung dafür zeigen kann, in dem ich für sie da bin und meine Mutter ist auch sehr dankbar dafür.
      Ich tut das nicht aus eine Schuld heraus, sondern aus meinem eigen Bedürfnis heraus. Ich denke, dass ist ein Unterschied.
      Ich fühle mich besser, wenn ich mich kümmere.
      Ich würde mich sehr schlecht fühlen, wenn ich mich nicht kümmern würde. Darum tut man dass irgendwie auch für sein eigenen Seelenfrieden.
      Es ist ja super, dass dein Vater noch so fit ist!
      Liebe Grüsse
      Katharina

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  5. ja sicher
    da hast du Recht
    schuldig ist auch irgendwie nicht das richtige Wort
    denn es ist negativ behaftet
    es gibt auch gar kein rechtes Wort dafür
    Bedürfnis ist schon ganz gut ;)
    ich habe meiner Mutter auf dem Sterbebett versprochen für meinen Vater da zu sein
    ich bin wirklich froh dass er alles so gemeistert hat
    meine Eltern waren sehr lange verheiratet und immer zusammen
    manche Männer sind alleine hilflos
    aber er nicht .. er hat sich auch nicht hängen lassen
    liebe Grüße
    Rosi

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